Archiv Felsberg

Ortsgeschichte Wolfershausen

Ja, eigentlich müßte Felsberg ein 925jähriges Jubiläum feiern. Denn wie man bei einer Hochzeit die Verwandt­schaft mitheiratet, so hat die Stadt Felsberg bei der Gebietsreform nicht nur Land und Leute, sondern auch Geschichte und Tradition der ehemals selbständigen Gemeinden „mitgeheiratet“.

Der Stadtteil Wolfershausen blickt auf eine 925jährige Geschichte zurück. Die Tradition lebt auch heute noch im Wolfershäuser Wappen fort, welches erst so richtig nach der „Hochzeit“ zur Geltung kam. Es zeigt einen lau­fenden Wolf auf drei Ringen und ist aus dem erhaltenge­bliebenen Wappensiegel der Ritter von Wolfershausen aus dem Jahre 1259 entstanden. Die Ringe erinnern an die Herkunft der Ritter, nämlich aus Rengshausen.

In der ältesten Urkunde, in der Wolfershausen erstmals erwähnt wird, handelt es sich um einen Landtausch. Der Abt von Fulda tauscht im jahre 1061 von dem „edlen Her­ren Irmfried und seinem Weibe“ ein Landgut in der Graf­schaft Maden und übergibt dafür Gehöfte aus dem Klostergut Morschen. Zu diesen gehörte unter anderem Wol­fershausen, damals noch Wolfeshuson genannt, Hebel und auch Heßlar.

Natürlich gab es lange vorher schon Siedlungen am Edderfluß. Der fruchtbare Boden und die sichere von Bergen umgebene Lage waren für die Siedlungen sehr ge­eignet. Jungsteinzeitliche Kulturreste hat man auf den umliegenden Basaltkegeln wie Lotterberg oder Heiligen­berg gefunden.

Vor rund 2000 Jahren war diese Gegend der Mittelpunkt des Chattengaues. Man sagt, die fünf Riesensteine bilde­ten die Eckpunkte des alten Chattengaues. Es sind die Riesensteine bei Wolfershausen, Guntershausen, Grossenritte, Metze und Maden.

Wußten Sie das; haben Sie schon einmal eine Wande­rung dorthin gemacht? Besonders schön ist natürlich der Riesenstein von Wolfershausen. 4,80 m hoch, 5,50 m lang und 1 m dick. Er ähnelt einer großen Platte. Es wird vermutet, daß er aus einer Bauernvolkkultur stammt, die den Ahnen Gedenksteine setzten. Einen ähnlichen, aber kleineren Stein hat man später in Ellenberg gefunden.

Die Sage behauptet natürlich etwas anderes:

Vor mehr als 800 Jahren bauten Mönche und fromme Männer aus den umliegenden Dörfern das Kloster Breitenau (Breite Aue). Als dies nach vielen Jahren vollbracht war, mischten sich zum Lobe Gottes die frommen Gesänge der Mönche mit dem Klang der Glocken des Klosters. Es schallte weit über das Tal hinweg. Seit langem hatte ein boshafter Riese diesem Treiben zugesehen. Er konnte seinen Zorn hierüber nicht mehr zügeln und riß einen mächtigen Felsbrocken empor und warf ihn mit starker Hand gegen das Kloster. Die Abdrücke der Hand kann man heute noch an dem Stein erkennen. Doch von unsichtbarer Hand aufgehalten sank der Felsbrock schon vor der Ellenberger Höhe am anderen Ederufer zu Boden. Hier steht er heute noch, der Riesenstein von Wolfershausen.

Aber nun wieder zurück zur Geschichte. Wie wir oben gelesen haben, gab es Ritter in Wolfershausen. Sie hatten natürlich auch eine Burg. Diese stand etwa an der Stelle unserer Kirche. Daher heute noch der Straßenname „ln der Burg“.

Die Wolfershäuser Ritter waren Lehensherren und muß­ten den „Zehnten“ an das Stift Fritzlar abgeben. Als dann im Jahre 1232 Landgraf Konrad von Thüringen auf sei­nem Zug gegen Fritzlar die von den Wolfershäusern ver­tulgte Burg Heiligenberg stark beschädigte, kam vom Erzbischof von Mainz die Anweisung, die Burg wieder aufzubauen. Da entschlossen sich die Wolfershäuser kur­zerhand, zum Landgrafen überzuwechseln. Eine Straf­expedition aus Mainz brachte dann den Wolfershäusern große Verluste. Die Wolfershäuser schlugen sich dann im Laufe der Geschichte je nach Wetterlage auf die eine oder andere Seite. Aus den Ruinen der Burg wurde dann im 12. Jahrhundert eine Wehrkirche mit einem quadrati­schen Turm gebaut. Das Kirchenschiff ist gotischen Ursprungs und wurde um das Jahr 1484 erbaut.

Es ist heute noch die einzige gotische Dorfkirche in Nordhessen. Sie bestimmt trotz Neubausiedlung mit ihrer in 1984 restaurierten Kirchmauer, der ehemaligen Burgmauer, das schöne Dorfbild von Wolfershausen.

 

 

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