Archiv Felsberg
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Die Mühlen in Rhünda

Die Ersterwähnung von Rhünda ist im Jahre 1150 - 1200. Das Dorf liegt 9 km westsüdwestlich von Melsungen und liegt mit einfachem Grundriss entlang des gleichnamigen Baches kurz vor dessen Mündung in die Schwalm.

Aus dem Gebiet des unteren Edertals um Felsberg-Gensungen und den Höhen des Quillerwaldes sind archäologische Zeugnisse nahezu aller vor- und frühgeschichtlichen Epochen bekannt. In Rhünda u.a. spätpleistozäner Schädel und Wallanlage des Rhündaer Berg mit Besiedlungspuren seit dem Neolithikum.

Historische Namensformen:

  • Ruhunden, ad (1150-1200) [Otto Grotefend, Beitrag zur älteren Geschichte des Klosters Breitenau, in: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Bd. 59/60, Neue Folge 49/50 (1934), S. 53-56]
  • Ruhethe, in (1209) [Karl E. Demandt, Besitz des Fritzlarer Petersstiftes in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde , 61 (1936), S. 35-120, hier S. 54]
  • Ruhende (um 1250) (HStAM Bestand Urk. 20 Nr. 6)
  • Rudene, in (1252) [HStAM Bestand Urk. 41 Nr. 29]
  • Runden (1356) [Schreibweise nach Archivregest HStAM Bestand Urk. 49 Nr. 1506]
  • Ronde (1397) (GR Rhünda)
  • Runda (1505) [Landgrafen-Regesten online Nr. 6809]
  • Rüene (1555) (Felsberg. Salb. HStAM Bestand S Nr. 304)
  • Ruende (1585) [Der ökonomische Staat, S. 95]
  • Rhünen (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 6]

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts werden unter den Erwerbungen des Klosters Breitenau ein Mansus und eine Mühle in Rhünda genannt.

Die spätere sog. Müllers Mühle lag am Nordwestrand des Ortes an der Rhünda ist bereits auf der Schleensteinkarte Anfang des 18. Jahrhunderts zu erkennen. Der Antrieb erfolgte bis 1973 mit einem oberschlächtigen Mahl- und Schlaggang und gehörte dem Müller Johannes Sinning. In der Rhündaer Mühle darf der Müller "nichts alß das was er vor sich selbst gebraucht" mahlen. Die Einwohner von Rhünda sind bis 1844 mit allen Fruchtarten in die Altenburger herrschaftliche Mühle "gebannet", wie auch die Orte Felsberg, Altenburg, Niedermöllrich, Lohre, Gensungen, Mittelhof, Melgershausen, Sundhof, Beuern, Hilgershausen, Heßlar, Hesserode und Deute. Nur dann, wenn die Altenburger Mühle wegen eines Überangebots von Frucht nicht in der Lage war zu mahlen, durfte die Rhündaer Mühle fremdes Mahlgut annehmen. Für das Mahlen stand den meisten Müllern das "Molter" zu, das war in der Regel je Viertel (16 Metzen) = 1 Metze. Die Herrschaftsmühlen wurden meist auf sechs Jahre verpachtet, blieben aber oft Generationen in der Familie.

Frühere Besitzer der Rhündaer Mühle im Unterdorf waren Hanß Todt (1555), Lorentz Heyde (1628), Jost Heinrich Weidlling (1724) und Heinrich Kaufmann (1737).

1555 ist von einer weiteren Mühle Ebert Wittichs Erben die Rede, in späteren Jahren von der "Mühlen zu Northeim unter Rhünda" gelegen. Um was für "Mühlen" es sich hier handelt, ist nicht überliefert.

Bekannt ist die Existenz einer zweiten Mühle im Oberdorf, die die Mühle Wittichs Erben gewesen sein kann. 1746 wird nur eine in Betrieb befindliche Mühle genannt. Auch 1858 wird in der Ortsbeschreibung die Mühle im Oberdorf nicht erwähnt. Daß in den beiden amtlichen Ortsbeschreibungen nichts über die Mühle im Oberdorf berichtet wird, ist unerklärlich. Die Existenz der zweiten Mühle wird 1876 von Pfarrer Braun aus Harle bestätigt; er berichtet von "zwei Mühlen, einer oberhalb und einer unterhalb des Dorfes".

Die Mühle Sinning wird als alt und zerfallen beschrieben, was bei dem Mangel an Mahlgästen nicht verwunderlich ist. Außerdem wird über Mangel an Wasser im Sommer bei Trockenheit und im Winter bei Eis geklagt. Der Allgemeinzustand der Mühle scheint dem Berichterstatter so erbarmungswürdig gewesen zu sein, daß er anregte "Gnädigste Herrschaft besagten Müller dahin zu begnadigen gnädigst geruhen möchte", daß er für die Gemeinde Rhünda mahlen und schroten dürfe. Außer der Getreidemühle gab es rund 50 Meter unterhalb derselben eine Ölmühle. Die Mauerreste sind erst in jüngster Zeit entfernt worden. Der Müller Sinning war im Nebengewerbe der einzige Wirt im Dorf. An Land besaß er nicht einmal einen Acker. Bier musste aus der Brauerei in Felsberg bezogen werden, da ähnlich wie bei den Mühlen ein "Bann" bestand. Den Branntwein stellte er selbst her. Zu jedem "Gebräu" Branntwein wurden vier Metzen Schrot, eine Metze Maltz und für einen Albus Hefe genommen, was etwa zehn Liter Branntwein ergab.

Die Rhündaer Mühle stellte 1970 aus ökonomischen Gründen den Mahlbetrieb ein. Die Familie Müller, jetziger Eigentümer Hans Müller, besitzt die Mühle seit dem 3. Juli 1867. An diesem Tage haben die Eheleute Ökonom Friedrich Wilhelm Müller und Anna Marta, geborene Clobes, aus Gensungen die Mühle käuflich erworben. 1925 wurde ein neues Mühlengebäude errichtet. Das Mühlenrad übernahm eine moderne Turbine, die durch ein ca. 50 cm dickes Metallrohr aus dem Mühlenteich mit Wasser versorgt wurde. Seit der Einstellung des Mahlbetriebes denkt man an die Nutzung der Turbinen zur Energiegewinnung nach.

Die sog. Geroldsche Mühle am Südosteingang des Ortes wurde gleichfalls von der Rhünda bis etwa 1920 angetrieben.

 

Quellen:

Wasser- und Windmühlen im Schwalm-Eder-Kreis – eine Bestandsaufnahme von Th. Hans-Dieter Scholz

Wasserbuchakte des Reg.Präs.Kassel – 38/1 – Nr. 49 Melsungen, Umfrage 1985 – TK Gudensberg

Info aus dem Historischen Ortslexikon über unsere Mühlen in den Stadtteilen

Chronik Rhünda 1997 - Ernst Bässe

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