Archiv Felsberg
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Ortsgeschichte Rhünda

Die fruchtbare Niederung um die Mündung der Schwalm und des Baches in die Eder war schon sehr früh besiedelt. Dafür spricht der Fund eines etwa 9000 Jahre alten Oberschädels eines knapp 40jährigen Mannes aus der Alt- oder Mittelsteinzeit, wodurch der Name Rhünda in der ganzen Welt bekannt wurde, und die Vermutung einer vorgeschichtlichen Befestigung auf dem Rhündaei Berg sowie der Ortsname Rhünda, der von Rin, der kelti­schen Bezeichnung für Fluß, abstammt.

Rhünda liegt 180 m über dem Meeresspiegel; die Germarkung ist 352 Hektar groß, wovon etwa 100 Hektar Wald und Steinbruchgelände sind. Vor 100 Jahren bestand die Gemeinde aus 318 Einwohnern. Es gab zwei Pferdebauem und fünfzehn Kleinbauern. Die übrigen Einwoh­ner waren Tagelöhner und Arbeiter, die im Steinbruch und an der Eisenbahn arbeiteten.

Die Rühndaer Basaltsteine waren schon viel früher be­gehrtes Baumaterial. So fordert zum Beispiel 1711 der Baumeister des Schlosses Wabern von der Rentkammer „1000 Fuder Wackesteine, wie sie beim Dorf Ruhna (Rhünda) gefunden werden zum Pflastern des Hofes.“ Übrigens schreibt man 1850 den Ortsnamen noch so: Rühnda.

Im letzten Krieg wurde die Eisenbahnbrücke über die Schwalm am 05.11.1943 von einer Fliegerbombe schwer beschädigt. Amerikanische Truppen erreichten am Kar­freitag, dem 30. März 1945, Rhünda.

Nach dem zweiten Weltkrieg (1946) betrug die Einwoh­nerzahl 801, 178 mehr als 1939. 9 Evakuierte und 132 Flüchtlinge und Heimatvertriebene wurden im Dorf aufgenommen. Auf je ein Wohn- und Schlafzimmer kamen 1,85 Personen. Eine so hohe Einwohnerzahl wird der Ort wohl nie mehr haben. Eine Rekordhöhe hatte auch der Viehbestand. Damals wurden 23 Pferde, 60 Schafe, 109 Rinder, 199 Schweine, 131 Ziegen, 622 Hühner, 115 Gänse, 203 Kaninchen und 24 Bienen­stöcke gezählt. Heute sind die Pferde, Schafe, Ziegen, Hühner, Gänse und Kaninchen fast ausgestorben.

Den wirtschaftlichen Aufschwung kann man an den Neubauten messen. Mehr als ein Drittel der Wohnhäuser wurden nach 1945 neu gebaut bzw. erweitert. Diese Ent­wicklung wurde erst möglich, nachdem die Gemeinde Bauland an der Hopfenbergstraße, dem Schwalmweg und dem Burgenblick erschloß und Baulustigen zur Ver­fügung stellte. Beachtlich sind auch die Aufbauleistun­gen der bis Ende 1973 selbständigen Gemeinde Rhünda. Sie zählte in den sechziger und siebziger Jahren zu den drei finanzkräftigsten Gemeinden des Altkreises Melsun­gen. Fast alle Straßen wurden ausgebaut und asphaltiert, der Ort kanalisiert, das Wasserleitungsnetz zum größten Teil erneuert, eine neue Straßenbeleuchtung im Zuge der Verkabelung der elektrischen Leitungen aufgestellt, ein neuer Sportplatz mit Hartplatz und Umkleidehaus geschaffen, ein neues Feuerwehrauto mit Motorspritze angeschafft und der Friedhof erweitert.

Die größten Maßnahmen waren, die Ausmauerung des Bachbettes der Rhünda auf einer Länge von 1,5 Kilome­ter, der Bau einer Friedhofskapelle und der Um- und Erweiterungsbau der Schule zu einem Dorfgemein­schaftshaus. Nicht vergessen werden soll der Bau einer Schutzhütte auf dem Hopfenberg durch viele freiwillige Helfer.

Der ansonsten friedfertige Rhündabach kann zu einem Untier werden, wenn im Hochland die Wolken ihre Schleusen öffnen. Die Dorfchronik berichtet von großen Schäden, die der Bach in den Jahren 1871,1890,1933 und 1941 verursacht hat. Aber niemals haben die Wasserfluten so gewaltig gehaust, wie am Freitag, dem 20. Juli 1956. Häuser wurden eingerissen, vier Brücken weggerissen, die neben dem Bachbett verlaufende Hauptstraße zur Hälfte und mehr fortgespült und vie­les andere mehr an Schaden angerichtet. Eine Million Deutsche Mark mußten zur Beseitigung aller Schäden auf­gewendet werden.

Rhünda ist schon immer vor­wiegend eine Wohnsitzge­meinde gewesen. Heute arbei­ten über 100 Erwerbstätige aus­wärts. Rhünda selbst hat etwa 50 Arbeitsplätze. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist auf fünf Vollerwerbs- und ein Teilerwerbsbetrieb zusam­mengeschrumpft. Das Vereins­leben ist rege. Freiwillige Feuerwehr, Angler, Sportver­ein und Schützen haben viele Gemeinsamkeiten. Ferner gibt es den Frauenclub und den Jugendclub, die sehr aktiv sind. Die Veranstaltungen der Ver­eine, angefangen mit der gemeinsamen Karnevalsveran­staltung im Februar bis zu der Weihnachtsfeier für die Kinder des Ortes im Dezember, sor­gen dafür, daß das ganze Jahr über was „los“ ist. Zu nennen sind noch die Gruppenreisen der Rhündaer, die bald ganz Europa kennen. Wir schätzen es, daß es das alles bei uns gibt und lassen deshalb bei allen Gelegenheiten den Ruf er­schallen: „Rihne äß klene, awer schene!“

Quelle: 700 Jahre Stadt Felsberg


Dieser Beitrag wurde eingestellt von: Elke Lück
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