Archiv Felsberg

„Die Liebe macht uns alle gleich und ist mehr als Königreich"

So endet ein Liebesbrief, den „M. Eull, Heßlar am 20ten Maerz 1838“ an seine Angebetete geschrieben hat - also vor 185 Jahren. Er war damals gerade 14 Jahre alt. Sein vollständiger Name war Johann Michael Eull. Viel Mühe hat er sich mit dem Liebesbrief gegeben: Ein Scherenschnitt, 35 cm Durchmesser, mit kreisförmig angeordneten Herzen, mit floralen und geometrischen Mustern (vor allem Tulpen).

Gefunden wurde der Brief, als sich ein älteres Ehepaar aus Felsberg auf den Umzug in Betreutes Wohnen vorbereitete. Das Spannende an dem Fund war jedoch, dass er unter der Bettwäsche so gut versteckt war, dass beide Eheleute keine Kenntnis davon hatten. Wahrscheinlich ist er mit der Aussteuer unbemerkt über mehrere Generationen weitergewandert.

Bedauerlich bleibt, dass man nichts über die Empfängerin dieses Briefes weiß, aus dem so viel Gefühl spricht.<o:p></o:p>

Verwandtschaftliche Beziehungen deuten nach Beuern.<o:p></o:p>

Dort liegt auch die Verbindung zu Johann Michael Eull. Sein Großvater war dort „Schuhlmeister“. Onkel und Tante Eull lebten ebenfalls in Beuern. Es liegt nahe, dass er des Öfteren dort zu Besuch weilte und mit einem Mädchen aus der Nachbarschaft Freundschaft schloss.<o:p></o:p>

Seinen Lebensweg konnten wir durch intensive Recherche weiterverfolgen:<o:p></o:p>

Zunächst war er Lehrer am Gymnasium in Kassel, ging 1847 nach New Orleans, USA und 1848 weiter nach St. Louis. In der neuen Welt arbeitete er als Lehrer, Prediger und später als Versicherungsagent. Drüben heiratete er eine junge Frau aus Rotenburg / Fulda.<o:p></o:p>

Johann Michael Eull starb am 10.11.1887 in Quinsy Adams, Illinois. Er hinterlies seine Ehefrau Getrude, Tochter Linda - verheiratete Ellebrecht sowie die Söhne Walter, Frank, William und Frederick Eull. Enkel ließen sich nicht ermitteln.<o:p></o:p>

 

Aber wer war das Mädchen aus Beuern?<o:p></o:p>

Warum ging sie nicht mit ihrem Angebeteten nach Amerika?<o:p></o:p>

War sie noch zu jung? Durfte sie nicht?<o:p></o:p>

Oder war die Liebe inzwischen zerbrochen?<o:p></o:p>

 

Auf jeden Fall blieb dieser Liebesbrief ihr großes Geheimnis – bis an ihr Lebensende.<o:p></o:p>

Sie hat ihn sogar vor ihrem späteren Ehemann versteckt: unter der Bettwäsche, tief in der Truhe, zu der nur sie den Zugriff hatte.  So gut, dass er erst nach 180 Jahren dort gefunden wurde.<o:p></o:p>

 

Alles in Allem eine Geschichte, aus der die Träume sind.<o:p></o:p>

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