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TSV Eintracht Boeddiger

40 Männer aus Böddiger hoben den Verein im Frühjahr 1913 aus der Taufe. Der erste Vorsitzende des neu gegründeten Vereines war Friedrich Bläsing, der die Geschicke bis zum Jahre 1922 leitete. Dem Verein ging es in erster Linie um den Sport - damals ausschließlich Turnen - und die Pflege der Gemeinschaft. Unter der Regie eines Turnwartes wurde eine Turnriege zusammengestellt. Die hoffnungsvollen Anfänge wurden schon nach einem Jahr durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges zunichte gemacht. Wie überall in Deutschland kam das gesamte Vereinsleben zum Erliegen. Die meisten Vereinsmitglieder wurden eingezogen und für viele war es ein Abschied für immer.

1919 wurde die begonnene Aufbauarbeit fortgesetzt. Die damalige Turnriege erzielte bei Vergleichskämpfen mit Nachbarvereinen alsbald beachtliche Erfolge, die bis zum Turngau hinauf Aufmerksamkeit erregten.

Nachdem Friedrich Bläsing sein Amt niederlegte, übernahm Konrad Hahn, der später nach Hümme verzog, 12 Jahre die Spitze des Vereins. Neben Turnen wurde jetzt auch Leichtathletik betrieben. Erfolgreichster Turner und Leichtathlet war in jener Zeit Karl Schäfer, der noch nach dem 2. Weltkrieg bei Alterstreffen der Turner und Leichtathleten in seiner Gruppe so manchen Sieg erstritten hat. Erst im Jahre 1927 wurde die Handball-Abteilung gegründet, die bis heute bestehen geblieben ist und seit den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg immer mehr in den Mittelpunkt der sportlichen Aktivität des Vereines getreten ist. Wie schon im ersten Weltkrieg kam auch im zweiten Weltkrieg das Vereinsleben völlig zum Erliegen. Karl Schäfer leitete in diesen Jahren geschäftsführend den Verein weiter. Protokolle, Vereinslisten und sonstige Unterlagen gingen in den Kriegswirren verloren. Das einzige, was die Kriege überdauert hat, ist und war die Vereinsfahne,

6 Monate nach Kriegsende trafen sich am 25. November 1945 auf dem Saal der Gaststätte Hühne 47 Männer, um den Verein wieder ins Leben zu rufen. Die Vereinssatzung musste von den amerikanischen Militärbehörden genehmigt werden. Adam Lengemann wurde Vorsitzender des TSV Eintracht Böddiger. Die junge Sportart "Handball" gewann immer mehr an Bedeutung im Verein. Ein großes Problem bereitete damals die Sportplatzfrage. Man spielte in den ersten Nachkriegsjahren vorwiegend auf einer Wiese am alten Flußbett der Eder, wo nach der Kiesausbeute heute die Fischteiche sind. Im August 1949 wurde nach dreijährigem Bau - unter schwierigsten Bedingungen - der jetzige Sportplatz an der Deuter Straße fertiggestellt. 1954 wurde in Eigenregie die Umkleidehalle fertiggestellt. Weitere Ausbau-, Instandhaltungs- und Verschönerungsarbeiten wurden durchgeführt und immer wieder von Gastmannschaften und Schiedrichtern gelobt. 1962 gelang der ersten Mannschaft der Wiederaufstieg in die Bezirksklasse. Sie wurde damals auch erstmals Kreismeister im Hallenhandball, eine Sportart, die den Großfeldhandball immer mehr in den Hintergrund drängte. In den 1960 Jahren gab es auch eine Tischtennis-Abteilung, die auf Kreisebene eine beachtliche Rolle spielte.

Der Verein erlebte viele sportliche Wechselbäder mit Ab- und Aufstiegen in den Jahren der Vereinsgeschichte. Ein sportlicher Höhepunkt war in 1975 der Aufstieg in die Verbandsliga. Nach zweijähriger Zugehörigkeit (1976 und 1977) schied Böddiger in 1978 aus finanziellen Gründen freiwillig wieder aus. Jugendarbeit wurde beim TSV Böddiger "groß" geschrieben und dank qualifizierter Betreuung und Förderung des Nachwuchses gab es Erfolge am laufenden Band. Insgesamt holten die Jugendmannschaften des TSV in den 70er Jahren mehr als 30 Meistertitel auf Kreis- und Bezirksebene nach Böddiger. Der Hessische Rundfunk war sogar auf die hervorragende Jugendarbeit des Vereins aufmerksam geworden und berichtete Live über die Nachwuchs-förderung. Der 1. Mannschaft gelang in der Saison 1985/86 der Aufstieg in die Regionalliga, der dritthöchsten Spielklasse im Bereich des Deutschen Handball-Bundes. In dieser Liga gelang der Mannschaft 1986/87 ein Coup im DHB-Pokal. Die Mannschaft zog bis in die 2. Pokal-Hauptrunde ein, der nur noch 16 Mannschaften aus ganz Deutschland vertreten waren. In einer packenden Partie gegen den TUS Schutterwald vor großer Kulisse verloren die Männer um Eckel, Clobes und Habenicht nur knapp mit 18:21. 1988/89 musste sich die Mannschaft auf der Regionalliga leider verabschieden und spielte von nun an wieder in der Oberliga.

Auch die Damen spielten Handball - die erste Mannschaft gab es nach Kriegsende, was für die damalige Zeit sicher sehr fortschrittlich war. Durften die Frauen in der damaligen Zeit nicht ohne die Zustimmung Ihrer Väter bzw. Männer in einen Verein überhaupt eintreten. Überliefert ist, dass Emma Angersbach, Ilse Dittmar, Ruth Schäfer, Herta Dittmar, Emma Wurst, Gerda Otto, Annemarie Lengemann, Mathilde Wurst, Margret Hühne, Elfriede Rübekönig, Thea Sechtling und Emma Gipper spielten Großfeld-Handball. Leider gibt es kein Foto aus dieser Zeit.

Erst 1990 stelle die Eintracht eine Damen-Mannschaft. Wie wir heute wissen, war das der Beginn einer überaus erfolgreichen Ära im Damenhandball, die bis heute anhält. In der Saison 2004/2005 wurden sie Meister in der Bezirksoberliga und stiegen in die Landesliga auf.

Zur Ergänzung hier noch die Vorsitzenden des Vereins:

Karl Lange übernahm in 1949 die Nachfolge an der Vereinsspitze bis 1953, dann folgte Willi Bläsing. Sein Nachfolger wurde von 1961 bis 1962 Walter Schnitzerling, der von Horst Lintl abgelöst wurde. Dieser stand dem Verein bis zum Jahre 1968 vor, ihm folgte Herbert Schäfer, der wiederum in 1970 von Kurt Regenbogen abgelöst wurde. Ab 1981 bis 1991 übernahm wieder Herbert Schäfer die Belange des Vereins, ihm folgten dann Hans-Willi Arnold (1991-1995), Helmut Krug (1995-1997), Jürgen Bauer (1997-2001), Wilfried Hecker (2001-2003). Im Frühjahr 2005 stand der Verein vor einem existenziellen Problem. Auch in zwei Jahreshauptversammlungen gelang es nicht, einen handlungsfähigen Vorstand zu wählen. In letzter Minute stellte sich dann Heinz Rohde zur Wahl und übernahm den Vorsitz von 2005-2009. Ihm folgte Björn Kramer (2009-2013) und Gunter Veit wurde Vereinsvorsitzender in der Jahreshauptversammlung in 2013. Er ist Vorsitzender und leitet die Geschicke des TSV Eintracht Böddiger e.V. bis heute.

 

Quelle: Festschriften der 900 Jahrfeier / 925 Jahre Böddiger / 100 Jahre TSV Eintracht Böddiger 1913 - 2013


Dieser Beitrag wurde eingestellt von: Elke Lück
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